| Semenko - Der Schaffner |
| Geschrieben von: Jutta Lindenkugel | |||
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MYCHAJL SEMENKO (1892-1937), geboren im zentralukrainischen Gebiet Poltawa als Sohn der Autorin Marija Proskuriwna, ging 1911 zum medizinischen Studium nach St. Petersburg. Während des ersten Weltkriegs hielt er sich in Wladiwostok auf und kehrte zur Zeit der Oktoberrevolution nach Kiew zurück. Von 1916-22 war er Parteimitglied. Als führender Futurist ist Semenko vielleicht der herausragendste Repräsentant der ukrainischen Avantgarde der 1910/20er Jahre. 1914 begründete er mit dem Manifest "Kverofuturism" und dem Verlagshaus (Fljamingo) den ukrainischen Futurismus, der sich von romantischen und symbolistischen Literaturtraditionen abgrenzte und urbane Themen in die Dichtung einführte. Radikal experimentierte Semenko mit Form und Sprache. Seine exakt komponierten Gedichte sind ironisch, lakonisch, deklarativ oder dramatisch-pathetisch. Semenko führte ganz neue Stilmittel in die ukrainische Lyrik ein: technisches, urbanes, alltäglich-banales Vokabular, freie Syntax, Telegrammstil oder kakophone Dissonanzen. Diese syntaktischen Elemente und der Wortschatz finden sich im Beispiel „Der Schaffner“. Das Gedicht „Dorflandschaft“ illustriert Semenkos Experimentier- und Innovationsfreude und bildet einen Kontrast zum meditativen „Ozean“. Semenkos Anarchismus rief selbst unter seinen Anhängern Ablehnung hervor. Insbesondere sein Band "Kobzar" von 1924, in dem er den ukrainischen Nationaldichter Taras Schewtschenko parodierte und statt einer nationalen eine europäische Dichtung propagierte, wurde zum Skandal. In einer zweiten Phase vertrat Semenko den Panfuturismus, einen "revolutionären Futurismus". 1921 organisierte er eine Brigade der futuristischen Dichter, später Assoziation der Panfuturisten (Aspanfut), die sich 1924 in "Komunkult" umbenannte. In diesen Jahren arbeitete er außerdem in den Filmstudios von Odessa. 1927 gründete er die "Nowa Generatsija". Die Ironie in seinen Werken schlug in dieser Zeit in Satire um. Bald darauf passte er sich dem sozialistischen Realismus an und widerrief frühere Positionen. Dennoch wurde er 1937 als ukrainischer Avantgardist verhaftet und erschossen. Erst Mitte der 1960er erfolgte seine Rehabilitation in der Sowjetunion. Zwischen 1910 und 1930 veröffentlichte er etwa 20 Gedichtbände. Besonders mit seinem Frühwerk trug er zur Modernisierung der ukrainischen Dichtung bei. ****** Der Schaffner (aus: Lutschuk, Olha/Najdan, Mychajlo M. (Hrsg.) (2000): Sto rokiw junosti. Antolohija ukrajinskoji poeziji XX. st. V anhlomovnych perekladach. Verlag: Litopys (ISBN 966-7007-36-1). Lemberg, S. 184.) Original: КОНДУКТОР Багнеться бути * * * * * * (aus: Lutschuk, Olha/Najdan, Mychajlo M. (Hrsg.) (2000): Sto rokiw junosti. Antolohija ukrajinskoji poeziji XX. st. V anhlomovnych perekladach. Verlag: Litopys (ISBN 966-7007-36-1). Lemberg, S.184.) Original: Сільський пейзаж * * * * * * Der Ozean
Original: Я не знаю — є
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