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Oles - Trauer
Geschrieben von: Jutta Lindenkugel   

OLEKSANDR OLES (1878-1944) ist das Pseudonym von Oleksandr Kandyba. Aufgewachsen in der nordostukrainischen Region Sumy, deren Natur er in seiner oft pantheistischen Poesie als „magisches Land“ ein Denkmal setzte.

Er studierte Landwirtschaft und Veterinärmedizin. Die Revolution von 1905 gegen die zaristische Unterdrückung befürwortete Oles und setzte sich für die nationale Eigenständigkeit der Ukraine ein. Kurz vor dem ersten Weltkrieg reiste er nach Österreich und Italien. Die Repression der ukrainischen Kultur nach der Oktoberrevolution enttäuschte ihn, so dass er 1919 emigrierte und sich 1923 in der Tschechoslowakei niederliess. Der Tod seines Sohnes im Konzentrationslager Sachsenhausen und die faschistische Besetzung Prags trafen ihn schwer.

Oles zählt zu den ukrainischen Symbolisten. Sein erster Gedichtband erschien 1907 in St. Petersburg. In der Periode zwischen 1917-30 veröffentlichte Oles drei Bände in russischer Sprache. Seine aktive Schaffensphase endete mit der Emigration. In der Ukraine wurden seine Werke erst Ende der 1950er Jahre wieder gedruckt. Ein elegischer Ton und eine melancholische Grundhaltung wie in den zwei unten abgedruckten Übersetzungen zeichnen die Dichtung von Oles aus. Er hat jedoch auch humorvolle Texte verfasst. Die Verse sind gezielt und klangvoll komponiert. Gleichzeitig versucht der Dichter seine Leser aufzurütteln. Hoffnung und Verzweiflung seiner Nation, aber auch andere Kontraste, die typisch sind für Oles Dichtung, bilden den Rahmen für sein Gedicht „Freude umarmt Trauer…“ Als Allegorie auf die Unterdrückung durch das Zarenregime oder einfach als eindrückliches Gedicht über die Launen der Natur wird „Astern“ in der Sekundärliteratur interpretiert.

Gedichtbände von Oles: „Freude umarmt Trauer“ (1907), “Sei mein Schwert, Poesie” (1909), “Auf der Märchenstrasse” (1910), “Gedichte, Buch III” (1911), “Dramatische Werke (Etüden)” (1914), „Gedichte, Buch V“ (1917), „Durch die Fremde“ (1919), „Fürstensohn Ukraine“ (1930), „Wem kann ich mein Leid klagen…“ (1931).

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Freude umarmt Trauer...
Mein Lachen erscheint unter Tränen-Perlen.
Und zu einem wunderlichen Morgen verfließt die Nacht.
Wie soll ich sie trennen?!

In Umarmung mit der Freude liegt die Trauer.
Die eine fliegt, die andere hält inne...
Zwischen ihnen findet ein Kampf statt,
Wer stärker ist? Ich weiß es nicht...

(aus: Lutschuk, Olha/Najdan, Mychajlo M. (Hrsg.) (2000): Sto rokiw junosti. Antolohija ukrajinskoji poeziji XX. st. V anhlomovnych perekladach. Verlag: Litopys (ISBN 966-7007-36-1). Lemberg, S. 118.)

Original:

З журбою радість обнялась…
В сльозах, як в жемчугах, мій сміх.
І з дивним ранком ніч злилась,
І як мені розняти їх?!

В обіймах з радістю журба.
Одна летить, друга спиня…
І йде між ними боротьба,
І дужчий хто — не знаю я…

Originalseite


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Astern

Um Mitternacht erblühten im Garten die Astern...
Wuschen sich mit Tau, wanden sich zu Kränzen
Und begannen, auf den rosigen Morgen zu warten
Und ihr Leben in einen farbigen Regenbogen zu kleiden...

Und die Astern träumten einen prächtigen Tagtraum
Von seidigem Gras, von sonnigen Tagen,-
Und in ihren Träumen sahen sie ein helles Märchen,
In dem Blumen nicht welken, in dem ewiger Frühling herrscht...

So träumten die Astern im Garten im Herbst,
So träumten die Astern und erwarteten den Frühling...
Doch der Morgen begegnete ihnen mit kaltem Regen
Und irgendwo im Garten hinter den Büschen heulte der Wind...

Und die Astern erkannten, dass sie sich im Gefängnis befanden...
Und die Astern erkannten, dass das Leben vergeblich ist,-
Beugten sich und starben... Und dann, wie zum Spott,
Erstrahlte die Sonne über ihren toten Körpern!

(aus: Lutschuk, Olha/Najdan, Mychajlo M. (Hrsg.) (2000): Sto rokiw junosti. Antolohija ukrajinskoji poeziji XX. st. V anhlomovnych perekladach. Verlag: Litopys (ISBN 966-7007-36-1). Lemberg, S. 118.)

Original:

АЙСТРИ

Опівночі айстри в саду розцвіли…
Умились росою, вінки одягли,
І стали рожевого ранку чекать,
І в райдугу барвів життя убирать…

І марили айстри в розкішнім півсні
Про трави шовкові, про сонячні дні, —
І в мріях ввижалась їм казка ясна,
Де квіти не в'януть, де вічна весна…

Так марили айстри в саду восени,
Так марили айстри і ждали весни…
А ранок стрівав їх холодним дощем,
І плакав десь вітер в саду за кущем…

І вгледіли айстри, що вколо — тюрма…
І вгледіли айстри, що жити дарма, —
Схилились і вмерли… І тут, як на сміх,
Засяяло сонце над трупами їх!..

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