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Ist Star Wars wegen der Vielzahl an Raumschiffen und pulsierenden Laser-Kanonen wirklich Science-Fiction? Ist Tolkiens Herr der Ringe auf Grund der Figuren wie Zauberer, lebendige Bäume und elfengleichen Wesen ein Märchen? Einführung
Diese Fragen kann man relativ schnell beantworten, wenn man sich an Eigenschaften orientiert, die zur Unterscheidung einzelner Kategorien innerhalb der Phantastik zur Verfügung stehen. Dabei ist es irrelevant, ob man das literarische Werk oder deren filmische Umsetzung unter die Lupe nimmt; die Ergebnisse sind medienübergreifend. Dieser Artikel konzentriert sich auf das geschriebene Werk und beleuchtet die Eigenschaften eines Subgenres, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut – der Fantasy. Betrachtet man die Umsatzzahlen des deutschen Buchhandels und konzentriert sich auf den Bereich Phantastik, ist es dieses Subgenre der Fiction, das augenblicklich die Gesichter von Verlegern und Händlern zum Lächeln bringt. Dabei nähern sich die Mengen verkaufter Exemplare schon den klassischen Bereichen wie Krimi und Thriller, nd täglich wächst das Heer von Fantasy-Autoren an. Glaubt man einigen gut unterrichteten Quellen, suchen mittlerweile amerikanische Verlage gezielt nach deutschsprachigen Autoren und ihren Geschichten; ein Novum im Bereich der Phantastik, die bisher eher den Weg aus dem englischsprachigen Bereich nach Deutschland suchte. Grund genug, einmal das Genre genauer zu betrachten und zu ermitteln, was eigentlich dieser spezielle Bereich ist und wie er sich von anderen Bereichen der Phantastik unterscheidet. Begriff und BedeutungGrundsätzlich hat der Begriff Fantasy im deutschsprachigen Raum eine andere Bedeutung als im Englischen. Dort umfasst die "Phantastik alle Spielarten der fiktiven Literatur, unter anderem auch den Bereich Science-Fiction. Phantastik beschäftigt sich inhaltlich mit mit utopischen und nicht realistischen Inhalten. Punkt. Die typisch deutsche Eigenschaft, für jede Art von Literatur eine eigene Schublade zu finden, sorgt dafür, dass sich im deutschsprachigen Raum der Begriff Fantasy auf Romane und Kurzgeschichten bezieht, die sich thematisch mit Mythen und Märchen, bzw. mit deren Handlungselementen auseinandersetzen. Als weiteres Ordnungskriterium gilt die figurenbezogene Erzählweise, d. h. die Geschichten sind stark mit Figuren aus der Sagen- und Märchenwelt verbunden. So gehören Fabelwesen wie Zwerge, Elfen und Drachen genauso zum Ensemble der Protagonisten, wie Ritter, Zauberer und Hexen. Die Handlungsorte variieren zwischen historisch aufgeführten Gebieten und Konstruktionen von Gegen- bzw. Parallelwelten, die zwar eine realitätsnahe Handlung erlauben, aber immer Platz für das magische Element beinhalten. Die Magie, in Form von erzeugten, übernatürlichen Effekten, dient letztendlich auch zur Unterscheidung, ob es sich bei einem Werk um eine geschichtlich authentische Erzählung (historischer Roman) oder um eine "waschechte" Fantasy-Geschichte handelt. Geschichtliche EntwicklungBezieht man sich auf die verschiedenen Quellen zur geschichtlichen Entwicklung der modernen Fantasy, wird man mit den Namen von Autoren konfrontiert, die sich schon vor langer Zeit mit Elementen der Phantastik und Fabelwesen beschäftigt haben. Schon Homer benutzte phantastische Orte und Handlungen für seine Abenteuergeschichten, die den Helden der Antike huldigen. Die Reisen des Odysseus oder Troja glorifizieren mit Mitteln der Fantasy die Taten seiner Protagonisten und obwohl es deutliche Hinweise gibt, dass viele Figuren wie Archilles, Hector, Agamemnon oder Odysseus reale Menschen waren, verleiht Homer seinen Protagonisten übermenschliche Kräfte und Fähigkeiten. Fabelwesen wie der Zyklop, Golem oder die Medusa sorgen für den Nervenkitzel beim Lesen, entführen in ein Szenario, das sich lediglich durch die altertümliche Sprache von heutigen Buchwerken unterscheidet. Eine der frühen Formen der Fantasy ist das altertümliche Märchen. Wer hier die Nase rümpft, hat die Botschaft, die in den meisten Geschichten der Märchenwelt verankert ist, nicht verinnerlicht, denn schon damals war der Wunsch nach Gerechtigkeit und der Triumph über das Böse die Essenz der Story. Dieser Plot begleitet Jahrhunderte lang die Geschichten, und auch in den augenblicklichen Veröffentlichungen spiegelt sich der Wunsch nach einer Welt wieder, in der die Gerechtigkeit letztendlich den Sieg davonträgt. Aufbauend auf der Struktur des Märchens, die in ihrer Handlungsumgebung sehr einfach gestrickt und eher der Kinderliteratur zuzuordnen sind, wurde die Sage zum Märchen für Erwachsene. Die deutlich erweiterte Szenerie einer Sage beinhaltet umfangreiche Beschreibungen der Handlungsorte und Hintergründe, die einen Einblick in die Welt der erzählten Geschichte bieten. Die Saga um König Artus gilt als herausragendes Beispiel für die frühe Fantasy und genießt auch noch heute einen hohen Stellenwert bei den Liebhabern des Genre. Mystische Orte wie Avalon, der Zauberer Merlin oder das Schwert Excalibur entführen den Leser in Welten, die sich fernab jeglicher Realität bewegen. Ist schon die Artus-Saga kaum noch als geschichtliches Werk zu betrachten, werden die Einflüsse der Fabelwesen in den späteren Fantasy-Werken immer intensiver. In Deutschland wird die Sage um Siegfried von Xanten im Nibelungenlied den bekanntesten Werken der frühen Fantasy zugeordnet. Der Drache, Symbol der Macht und des Reichtums, hier noch als Lindwurm bezeichnet, wird genauso wie Siegfrieds Kampf gegen Riesen und Zwerge zum wichtigen Element der Geschichte. Allerdings sind die phantastischen Figuren nicht der Grund, warum Siegfried eine geschichtliche Ausnahmestellung im Genre einnimmt. Zum ersten Mal ist nicht die Erde, die wir sie kennen, der Handlungsort, sondern eine künstlich erzeugte „Gegenwelt“, auf der die altgermanischen Götter herrschen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind alle Elemente und Handlungsszenarien, die heutzutage in einem Fantasy Roman auftauchen, bereits erfunden. Zusammenfassend gesehen ist das Zusammenwirken fiktiver Welten, Fabelwesen, Abenteuer und der Wusch nach einer gerechten Welt die Hauptelemente einer Fantasy Story, während der ewige Kampf zwischen Gut und Böse das vorherrschende Thema in der Geschichte ist. Gründer und EntwicklerSpätestens seit der Veröffentlichung von J. R. R. Tolkiens Erzählung Die Hobbits (1937), die mit dem erfolgreichsten Werk des Genres, der Herr der Ringe, fortgesetzt wurde, erhält die Fantasy als eigenständiges Genre ein unverkennbares Gesicht. Die in engeren Kreisen geführte Diskussion, ob es tatsächlich Tolkien war, der die moderne Fantasy aus der Taufe gehoben hat, oder dieser Ruhm doch eher dem Autor Leslie Barringer zusteht, der seine Nerstrian-Trilogie mit dem ersten Band Gerfalke schon zehn Jahre früher (1927) veröffentlichte, soll an dieser Stelle nur erwähnt werden. Allein die Tatsache, dass Tolkien wie kein anderer das phantastische Genre beeinflusst hat, ist unstrittig, und deshalb kann man seinen Namen mit der Geburt der modernen Fantasy, so, wie sie in Deutschland interpretiert wird, durchaus in Zusammenhang bringen. Seine Art der Erzählung, die fast epische Form der Beschreibung seiner Handlungswelt, wird zum festen Element nachfolgender Werke und sorgt im Nachhinein dafür, dass sich die Seitenzahlen der Fantasy- Werke oftmals im vierstelligen Bereich bewegen. Die Zahl nachfolgender Autoren, die sich dem Genre und der Thematik der Fantasy widmen, ist schier unüberschaubar. Allerdings nutzten sie oft einen ähnlichen Story-Aufbau und, bis an den Rand des Plagiatverdachtes, eine ähnliche Erzählweise für ihre Geschichten. Spätestens seitdem sich die SF-Autorin Marion Zimmer-Bradley der Fantasy zuwandte, kam neuer Schwung in das Genre. Nicht mehr ganz so ausschweifend, aber immer noch mit Liebe zum Detail, sorgte sie nicht nur durch mehr Tempo und einer modernere Erzählweise für den ersten Boom in der Fantasy. Der weibliche Blickwinkel ihrer Erzählungen wurde zum Markenzeichen und gewann eine Leserschaft für das Genre, die vielen anderen Autoren verschlossen blieb – junge Mädchen und Frauen. Ihr Avalon-Zyklus, der Anfang der Achtziger Jahre erschien und die Artussage aus der Sichtweise einer Frau erzählt, wurde zum meistverkauften phantastischen Werk dieser Zeit. Die Annahme liegt nahe, dass es Mrs. Zimmer-Bradleys Verdienst ist, dass sich in keinem anderen Genre so viele Autorinnen finden, wie im Bereich Fantasy. War Tolkien der geistige Vater eines Genres, kann Marion Zimmer-Bradley ohne Einschränkungen als die Mutter einer neuen Richtung angesehen werden, die sich enorm auf die Zukunft der Fantasy ab den Achtzigern des letzten Jahrhunderts auswirkte. Kein Fantasy-Artikel ohne den berühmtesten Zauberlehrling unserer Zeit - Harry Potter. Je nach Sichtweise und Einordnung ihrer stilistischen Fähigkeiten, kann man der Schöpferin Joanne Rowling zumindest anrechnen, dass sich die europäische Jugend dank ihrer Romanserie wieder dem gedruckten Werk zugewandt hat. Anders, als bei Tolkien, dessen Werk zwar bekannt war, aber erst durch die Verfilmungen auch in der breiten Öffentlichkeit zum Begriff wurde, begann die "Pottermania" schon mit dem Erscheinen der Romane. Die Symbiose aus Jugendbuch und exzellent konstruiertem Plot machte Rowling zur erfolgreichen Schriftstellerin und das Genre Fantasy zum Inbegriff des Zaubers und der Fabelwelten. Ihr Name wird noch einige Generationen lang fest mit der Vorstellung von Fantasy-Literatur verbunden bleiben. Eigenschaften und AusführungenDie Fantasy hat gegenüber anderen Bereichen der phantastischen Literatur wie z. B. Science Fiction den Vorteil, sich nicht physikalisch oder geschichtlich korrekten Fakten unterordnen zu müssen. Das bedeutet für die Autoren, dass sie sich hemmungslos in allen Bereichen der Natur- und Geisteswissenschaften bedienen können, ohne Gefahr zu laufen, der Scharlatanerie bezichtigt zu werden. Trotzdem werden bei den meisten Werken des Genres Szenarien und Handlungsorte genutzt, die Bezugspunkte in der Geschichte besitzen. Überschlägt man grob die letzten dreißig Jahre Fantasy-Literatur, findet man in erster Linie einen hochprozentigen Anteil an Romanen, die als Handlungshintergrund das Mittelalter nutzen. Dass die Wahl ausgerechnet auf diese Epoche zielt, liegt mit Sicherheit auch an den überlieferten Gräueltaten und einer gewissen sozialen Härte, derer die Menschen damals ausgesetzt waren. In keinem anderen Zeitalter lassen sich der Kampf zwischen Gut und Böse, der absolut beliebteste Plot in der Fantasy, so kompromisslos abhandeln wie in den Jahrhunderten, die heute eher als dunkles Kapitel in unseren zivilisatorischen Bestrebungen bezeichnet werden. Die Überlieferungen alter Sagen und Märchen, die von Zauberern und Magiern, mystischen Gegenständen und Wesen, sowie zahlreichen Helden beherrscht werden, sind aus keiner anderen Epoche so zahlreich vorhanden. Genug Material, um seine Phantasien freien Lauf zu lassen und Protagonisten zu erschaffen, die in diesem Zeitabschnitt ihre Abenteuer bestehen. Dass dabei auch Settings und Szenarien gewählt werden, die deutlich früher als im geschichtlichen Mittelalter ihre Spuren hinterlassen haben, wird in der Fantasy eher großzügig behandelt. Ein ebenfalls gern genommener Handlungsort sind Alternativwelten, die ähnliche oder gleiche atmosphärische Bedingungen wie unser Planet aufweisen. Nach Herzenslust können geographische und geologische Parameter gesetzt werden, die der Handlung entgegen kommen. Die bekannteste Konstruktion einer Alternativwelt findet man in Tolkiens Ringe-Saga namens Mittelerde. Immer noch oft, aber deutlich weniger als die vorherigen Handlungsorte, findet man im Genre die Konstruktion einer Parallelwelt. Hier werden die grundlegenden Eigenschaften unserer eigenen Welt als Basis benutzt, aber mit typischen Elementen des Genres angereichert. Dabei wird ein Szenario benutzt, welches bewusst Störungen (umwelttechnisch oder mystisch bedingt) im geschichtlichen Ablauf unserer eigenen Geschichte integriert und so die Erklärung für das Vorhandensein von Fabelwesen bietet. Eines der am verbreitetsten und bekanntesten Szenarien ist die Welt der Crossover-Publikation Shadow Run. Obwohl thematisch und atmosphärisch nah am Genre Cyberpunk angesiedelt, ist es prinzipiell moderne Fantasy, die mit technischen Gimmicks und Handlungselementen der Science-Fiction ein wenig aufgepeppt wird. Ähnliche Eigenschaften beinhaltet auch die bekannteste Weltraum-Saga aller Zeiten – Star Wars. Auch wenn der inflationäre Gebrauch von verschiedenartigen Raumschiffen und Techniken in den Romanen einen anderen Eindruck vermitteln, sind alle Grundlagen vorhanden, um die Serie eher der Fantasy zuzuordnen. Das betrifft sowohl die Basisliteratur, als auch die cineastische Umsetzung. Neben einer feudalen Grundstruktur f inden sich hier (Yedi)-Ritter, Prinzessinnen, Gnome, Orks, verschiedene Seiten einer mystischen Macht und auch der „weiße Ritter“, der mit Hilfe von Mitstreitern zweifelhafter Herkunft den Kampf gegen das Böse aufnimmt. Das stereotype Auftreten der Protagonisten und die grundlegende Thematik besitzen alle Eigenschaften, die in der Fantasy genutzt werden. Stilistische BesonderheitenEin nicht zu unterschätzender Vorteil ist die Tatsache, dass die Fantasy keine hervorstechenden Eigenschaften bei der stilistischen Umsetzung besitzt. Gestelzte Ausdrucksformen und Dialoge sind ebenso oft zu finden, wie gossensprachliche Ausführungen und handwerklich gut formulierte Beschreibungen. Dieser Fakt ist sicherlich auch ein Grund, warum sich das Genre bei Autoren so großer Beliebtheit erfreut. Nachteilig wirkt sich dieser Umstand dadurch aus, dass in keinem anderen Genre der Unterschied zwischen guter und eher minderwertiger Literatur so stark ausgeprägt ist. Nicht ganz unschuldig daran dürften die Verlage selbst sein, die in der Fantasy einen großen Absatzmarkt beobachten und dabei die qualitative Mängel vieler Werke wohlwollend übersehen. Sucht man gezielt nach erzählerischen Eigenschaften, die für das Genre typisch sind, fällt der meist in epischer Form beschriebene Handlungsort auf, vor dessen Hintergrund die Protagonisten agieren. Tempoänderungen und Actionszenen werden, wie im Genre Thriller, oft und ausschweifend genutzt, magische Kräfte oftmals inflationär eingesetzt. Die Zukunft der FantasyZwei Trends sorgen dafür, dass auch in naher Zukunft die Flut von Veröffentlichungen in diesem Genre nicht versiegen wird. Zum Einen haben findige Autoren entdeckt, dass man eine Geschichte mit wenigen Änderungen der Grundstruktur aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Fabelwesen wie Zwerge, Orks, Drachen oder Elfen erzählen kann und zum Anderen der immer noch immense Zuwachs neuer Autoren, die ihre angekündigten und umfangreichen Serien mit einem ersten Band in den Markt pressen. Zu guter Letzt werden sich die Autoren durchsetzen, die das Handwerk des Schreibens beherrschen und genug Phantasie mitbringen, neue Settings und Szenarien zu erfinden. Experimente mit der Handlungsumgebung, wie sie das Aushängeschild deutschsprachiger Fantasy-Autoren, Markus Heitz, mit seinem neuesten Werk Die Mächte des Feuers präsentiert, zeigen eindrucksvoll, dass noch eine Menge Möglichkeiten im Genre verborgen sind. Die Umgebungsbedingungen für die Verbreitung von Fantasy-Literatur werden ebenfalls immer besser, denn selbst alteingesessene Verlage, die vorher in anderen Bereichen des phantastischen Genres, wie der Science-Fiction, tätig waren, öffnen sich bereitwillig der Fantasy oder krempeln gar ihre ganze Angebotspalette um. Solange ein Markt bedient werden kann, ist es ein Geschäft ... und die immer noch anhaltende Begeisterung der Leser für dieses Genre, lässt eher auf eine Zunahme neuer Titel schließen. Der Kampf Gut gegen Böse bleibt aktuell.
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