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Swidzinskyj - Müde
Geschrieben von: Jutta Lindenkugel   

WOLODYMYR SWIDZINSKYJ (1885 -1941), geboren in der Westukraine, arbeitete nach seinen Studien an einer theologischen Hochschule und einer Handelsschule als Lektor und Redakteur für verschiedene Zeitschriften. Er übersetzte aus dem Altgriechischen, Latein und dem Russischen. Sein Debüt gab er erst im Alter von 27 Jahren. Er veröffentlichte nur drei Gedichtbände. Über die Umstände seines Todes während der Evakuierung von Charkiw im Jahr 1941 findet man verschiedene Angaben. Die häufigste Variante besagt, dass er von Sowjetsoldaten zusammen mit Anderen in einer Scheune verbrannt wurde.

Swidzinskyjs frühe Werke tendieren zum Symbolismus. Sie besitzen teilweise klassische Formen, aber auch surrealistische und exotische Elemente. Der Gebrauch von frischen, lebendigen Bildern aus Animismus und Folklore wie in den hier abgedruckten Beispielen war in der ukrainischen Literatur zu seiner Zeit einmalig und innovativ. Einsamkeit und Stille bzw. Schweigen sind häufige Motive seiner Lyrik. Als verträumt, philosophisch, tiefgründig wird seine Dichtung charakterisiert. Er gilt als Spezialist für kurze Formen und Miniaturen.

Gedichtbände von Swidzinskyj: „Lyrische Gedichte“ (1922), „September“ (1927), „Gedichte“ (1940) und Kinderverse

 

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Müde, an die Hügel gelehnt,
Schlief und schlief der Tag. Es schien als würden
Nie wieder blaue Himmel über die Felder
Ziehen. Faul, sorglos,
Legte auch ich mich hin und ergab mich der Macht des Schlafs.
Ich erwachte. Mein glänzender Tag, wo bist du?
Ein dünner Nebel breitete sich von Osten aus,
Wie mit zwei Flügeln das ebene Feld umarmend.
Die Sonne ist begraben. Der Baum ist verstummt,
Und Kälte hat die Tulpenbecher
Geschlossen, die Bienen, die so summend
Den jungen Tag begrüßt hatten, erstarren.

(aus: Lutschuk, Olha/Najdan, Mychajlo M. (Hrsg.) (2000): Sto rokiw junosti. Antolohija ukrajinskoji poeziji XX. st. V anhlomovnych perekladach. Verlag: Litopys (ISBN 966-7007-36-1). Lemberg, S. 178.)

Original: 

 

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Kalte Stille. Gebrochener Mond
Sei bei mir und segne meine Trauer.
Sie ließ sich nieder wie Schnee auf Zweigen,
Sie wird fallen wie Schnee von Zweigen.
Drei Freuden nimmt man mir nicht:
Einsamkeit, Arbeit, Schweigen. Tückische Sehnsüchte
Habe ich nicht mehr. Ge
brochener Mond,
Ich trage die Traube der Erneuerung in die Nacht.
Auf dem toten Feld stehe ich, um zu beten
Und um mich werden Sterne herabfallen.

(aus: Lutschuk, Olha/Najdan, Mychajlo M. (Hrsg.) (2000): Sto rokiw junosti. Antolohija ukrajinskoji poeziji XX. st. V anhlomovnych perekladach. Verlag: Litopys (ISBN 966-7007-36-1). Lemberg, S. 180.)

Original:

Холодна тиша. Місяцю надламаний,
Зо мною будь і освяти печаль мою.
Вона, як сніг на вітах , умирилася,
Вона, як сніг на вітах , і осиплеться.
Три радості у мене неодіймані:
Самотність, труд, мовчання. Туги злобної
Немає більше. Місяцю надламаний,
Я виноград відновлення у ніч несу.
На мертвім полі стану помолитися,
І будуть зорі біля мене падати.

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Das Pendel ist müde.
Tag, Nacht,
Sommer, Winter.
Wiege, wiege die kräftige Stille!
Das Pendel keucht wie verwundet.

Doch warum hörte ich sein Keuchen nicht,
als mein Mädchen bei mir war?
Damals
       legte sie sich hin
und ich kam, ihr ein Märchen vorzulesen.

Tag, Nacht,
Sommer, Winter.
Die Zeit steht nicht still.
Die gelesenen Bücher vergilben,
An den Ecken schwarzer Schimmel,
Eine Spinne versucht, diese alten Gegenstände in ihr Netz zu spinnen –
Es gelingt ihr nicht.

Tag, Nacht.
Jeder Moment wird gezählt.
Das Pendel ächzt.

(aus: Lutschuk, Olha/Najdan, Mychajlo M. (Hrsg.) (2000): Sto rokiw junosti. Antolohija ukrajinskoji poeziji XX. st. V anhlomovnych perekladach. Verlag: Litopys (ISBN 966-7007-36-1). Lemberg, S. 180.)

Original:

Маятник натомився.
День, ніч,
Літо, зима –
Дебелу тишу гойдай, гойдай!
Маятник дихає, як ранений.
А чом я не чув його брязку,
Як моя дівчинка була зо мною?
Бувало,
вона лягає,
А я приходжу прочитати їй казку.
День, ніч,
Літо, зима,
Час на часу не стоїть.
Пожовкли прочитані книги,
По закутках снядіє чорне,
Павук угортає старощі в павоть –
Не вгорне.
День, ніч –
Лічена кожна мить.
Маятник хрипить.

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